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19.02.2017, 18:00 Uhr
Deutsche Oper Berlin
Uraufführung, Premiere
Edward II.
Musiktheater in zehn Szenen
Libretto von Thomas Jonigk nach Motiven von Christopher Marlowes „Edward II. The troublesome raigne and lamentable death of Edward the second, King of England with the tragicall fall of proud Mortimer“ [1593], Ralph Holinsheds „Chronicles of England, Scotland, and Ireland“ [1587] & der „Vita Edwardi“ [14. Jhd.]
Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin am 19. Februar 2017.
Musikalische Leitung Thomas Søndergard
Inszenierung Christof Loy
Bühne Annette Kurz
Kostüme Klaus Bruns
Dramaturgie Yvonne Gebauer
Edward II. Michael Nagy
Piers de Gaveston Ladislav Elgr
Roger Mortimer Andrew Harris
Walter Langton, Bischof von Coventry Burkhard Ulrich
Lightborn James Kryshak
Soldaten / Räte / Geistliche Markus Brück
Spencer jr. Gieorgij Puchalski
Prinz Edward Mattis van Hasselt

ca. 90 Minuten / keine Pause

Die gewohnten Einführungen im Rang-Foyer rechts werden erweitert, indem prominente Gäste aus Kunst und Politik im Gespräch mit Dramaturgin Dorothea Hartmann von ihren ganz persönlichen Beziehungen zu Edward II. als einer historischen Figur, einer Ikone der Schwulenbewegung und seiner Transformation in einen Opernstoff erzählen. Am 24. Februar 2017 mit Thomas Jonigk, am 1. März 2017 mit Klaus Lederer, am 4. März 2017 mit Rosa von Praunheim und am 9. März 2017 mit André Schmitz.
Kompositionsauftrag der Deutschen Oper Berlin an Andrea Lorenzo Scartazzini, gefördert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer KulturstiftungPräsentiert von Siegessäule und Wall AG

Die Deutsche Oper Berlin hat eine lange Tradition als Spielstäte des zeitgenössischen Musiktheaters. Anknüpfend an die großen Uraufführungsserien ihrer Geschichte wird ab 2016 wieder in jeder Spielzeit ein Kompositionsauftrag für eine große Oper vergeben. Auf Georg Friedrich Haas‘ MORGEN UND ABEND im April 2016 folgt nun die Uraufführung EDWARD II von Andrea Lorenzo Scartazzini. Gemeinsam mit dem Librettisten Thomas Jonigk schreibt Scartazzini ein Musiktheater über die schillernde und polarisierende Figur des mittelalterlichen englischen Königs Edwards II. Vor allem Edward II. Zuneigung zu Piers de Gaveston, einem Spielkameraden aus Kindheitstagen, ging in die Geschichte ein: als Beispiel höfischer Günstlingswirtschaft aber auch als Bekenntnis eines Herrschers zu einem nicht standesgemäßen Freund und Geliebten. In der Kunst entwickelte sich die Figur Edwards II. über die Jahrhunderte hinweg zu einer Ikone der Schwulenbewegung. Von Christopher Marlowes Drama reicht die Serie von Bearbeitungen über Bertolt Brechts „Edward II“ bis zu Derek Jarmans gleichnamiger berühmter Filmversion. Thomas Jonigk und Andrea Lorenzo Scartazzini stellen in ihrer Auseinandersetzung die Frage nach dem Umgang auch der heutigen Gesellschaft mit Außenseitern. Scartazzini machte sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Komponist einer sehr kraftvollen Sprache für das Musiktheater. Narration, Psychologie und Konzentration in Dramaturgie und Komposition bestimmen seine Opern. Thomas Jonigks Libretto für EDWARD II. stützt sich auf Quellen des 14. Jahrhunderts sowie auf Christopher Marlowes gleichnamiges Drama. In freiem Umgang mit den Vorlagen arbeitet er mit filmschnittartig nebeneinander gesetzten Szenen aus Edwards Leben, die den Bogen schlagen von den Albträumen des Königs über Hetzjagden des Mobs, Buffo-Szenen in Shakespeare-Tradition bis hin zu Fragen nach Tod und Transzendenz. Scartazzinis Komposition entzündet sich unmittelbar an diesen szenischen Vorgängen, er überträgt die Szenenfolge in ein dichtes, 90minütiges Musiktheater für zehn Solisten, Chor und ein großes Orchester mit mächtigem Schlagzeugapparat.

Der internationale Durchbruch gelang dem 1971 geborenen Andrea Lorenzo Scartazzini mit der Uraufführung von „Cammina cammina“ bei den Salzburger Osterfestspielen 2000. Es folgten Einladungen zu renommierten Festivals sowie Kompositionspreise wie die Auszeichnung mit dem Studienpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung München. 2004 war er Composer in residence an der Universität Witten/Herdecke, 2011 Gast im Swatch Art Peace Hotel in Shanghai, 2012/13 Stipendiat am Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg. Schwerpunkt von Scartazzinis Arbeiten ist das Musiktheater: WUT wurde 2006 am Theater Erfurt uraufgeführt und 2010 am Stadttheater Bern in einer Neuinszenierung gespielt. DER SANDMANN war eine Auftragskomposition für das Theater Basel 2012 und wurde 2016 an der Oper Frankfurt wiederaufgenommen.

Thomas Jonigk schreibt seit 1991 Theaterstücke und Romane. Als Librettist arbeitete Jonigk u.a. mit Olga Neuwirth, Mathis Nitschke und Anno Schreier sowie nach DER SANDMANN nun für EDWARD II. zum zweiten Mal mit Andrea Scartazzini zusammen. Als Regisseur arbeitet Jonigk u.a. am Schauspielhaus Zürich, am Luzerner Theater, am Schauspielhaus Wien, am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, am Staatsschauspiel Dresden sowie am Schauspiel Köln.

EDWARD II. wird inszeniert von Christof Loy, der bereits bei Scartazzinis zweite Oper DER SANDMANN in Basel und Frankfurt Regie führte. Loy zählt zu den international gefragtesten Opern- und Schauspielregisseuren seiner Generation und arbeitet mit EDWARD II. zum dritten Mal an der Deutschen Oper Berlin. Neben einer Neuinszenierung von Verdis FALSTAFF gelangt Loy im Haus an der Bismarckstraße ein triumphaler Erfolg 2012 mit der Regiearbeit von Janáceks JENUFA, die als DVD-Aufnahme den 2. Platz in der Kategorie „Best Oper Recording“ bei den Grammy Awards gewann und als Gastspiel nach Tokyo eingeladen wurde.

Die musikalische Leitung von EDWARD II. obliegt Thomas Søndergård, der sich neben seinen Tätigkeiten als Principal Conductor of BBC National Orchestra of Wales und Principal Guest Conductor of Royal Scottish National Orchestra bislang vor allem als Opern- und Orchesterdirigent im skandinavischen und amerikanischen Raum einen Namen gemacht hat und in jüngster Zeit auch die deutsche Opern- und Orchesterlandschaft erobert hat. Die Titelpartie EDWARD II. singt der Bariton Michael Nagy, der an der Deutschen Oper Berlin bereits als Ford in FALSTAFF mit Christof Loy zusammenarbeitete. Als Königin Isabella gibt die schwedische Sopranistin Agneta Eichenholz ihr Hausdebüt. Ladislav Elgr singt als Gast an der Deutschen Oper Berlin nach DIE SACHE MAKROPOULOS und JENUFA seine dritte Neuproduktion und gibt mit Piers de Gaveston den Geliebten des Königs.

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Zu Andrea Lorenzo Scartazzinis Partitur [Download via Bärenreiter]